Zynikersanatorium
Ein Reigen voll bunter Melodeien

Apr
22

Wir galoppierten auf dem steinharten Inhalt einer Kohlroulade und die Gießkanne verschüttete unaufhörlich das getrennte Wasser auf uns. Erst wenn es zu spät ist, sieht es wer auch immer. Ein Gott? Natur? Oder aber ein seltsam großräumiges Fernsehstudio.

Den letzten Gedanken verbietet ein Anachronismus.

Darüber hinaus ist aber allen drei Parteien auch Absicht zu unterstellen.

Das Tote um uns und an uns flatterte im unregelmäßigen Wind, sodass der Klang des Flatterns, isoliert durchaus Freunde in einem Maschinenraum gefunden hätte. Beispielsweise neben dem Hämmern der Stampfmaschinen, oder der quietschigen Hydraulik anderer Geräte.

Nur Totes erzeugt diese Geräusche, nur Blutopfer bringen genau diesen Klang an unser Gehör, der neben dem alltäglichen Marktgeschrei unterging, bevor die Sonne überhaupt richtig aufgegangen war.

Unsere Rösser hätten sich lieber in eine fleischige Roulade gelegt, anstatt den harten Stein abzuklappern, aber so hatte nun mal die Welt ihren Lauf genommen: Die fleischigen, weichen Rouladen essen wir; auf den steinernen, wie Teig gerollten, gehen wir.

Mein Ross war fast unmerklich schneller im Galopp. Das äußerte sich dadurch, dass nach einer kurzen Phase synchronen Aufsetzens der Hufe beider Pferde, jene Phase begann, sich leicht zu verschieben, bis sie bald wieder synchron waren. Andererseits hätte auch ihr Pferd das schnellere sein können, heute weiß ich das nicht mehr so genau.

Alsbald wich die filzige, verschmutzte Wolldecke einem klaren Blau und ich hatte den Eindruck, die Atmosphäre war wieder dünner geworden. Kurz zuvor hatte ich nämlich gelesen: Das große Ozelot-sterben hatte wieder eingesetzt.

Schmutz allerdings, oder sollte ich sagen Dreck, schwarzer, rußiger Dreck ist nicht totzukriegen. Selbst, wenn er aus dem Himmel verschwand, dann lebte er immer noch in den Gesichtern dieser verbitterten und sexuell frustrierten Stadtbewohner weiter, die ihre Libido durch die Kunst der Herstellung eines perfekten Apfelstrudels sublimierten. Überhaupt war hier alles Sublimation! Die Häuser größer, als einer sie gebraucht hätte, und viele standen leer, waren Ruinen. Und der Kirchturm in der Stadtmitte war ein Phallus von enormer Größe. Sublimation überall, Verkünstelung überall! Alles war irgendwie verziert, verschnörkelt in feinster Handarbeit in toten Stein gemeißelt. Alles hier war Kunst, die direkt den Geschlechtsorganen entsprungen war.

Der Verzicht bringt wahrhaftige, doch leider tote Schönheit hervor. Andererseits wäre die Alternative einer kleinen Strohhüttensiedlung für das fremde Auge eher belanglos, ja wirklich langweilig gewesen. Unsere Rösser ritten ohnehin ungern auf den, in solchen Siedlungen üblichen, festgepressten Zimtstraßen.

Die steinerne, der menschlichen Ingenieurskunst entsprungene Straße, das ist die Zukunft! Zumindest, insofern sie nicht voller Schlaglöcher und uneben ist. So mancherorts habe ich mir einen Arsch aus Stein erreiten müssen, ehe die Reisen auf solchen Beleidigungen der menschlichen Schöpferkunst erträglich waren. Wir reden aber hier von einer Stadt, die vor Sublimation geradezu so sprühte. Es war, als hätte man ein zehn Meilen tiefes Fundament ausgehoben, um die Straßen hier zu platzieren, ehe man Millimeter genau Stein an Stein legte und die Reitwege mit einem Zement übergoss, der einer bestimmten Art von Erbrochenem gleichkam. Diese schwülstige Prüderie steckte uns an. Meine Begleiterin verdeckte ihr Dekolleté mit dem flatternden Toten, da viele der Bewohner solch einen Ausschnitt und gleichzeitig eine Frau, die wie ein Mann reitet kaum ertragen konnten.

Obwohl diese Eindrücke noch viele weitere Seiten füllen könnten, wirkten sie damals in kürzester Zeit auf uns, natürlich gänzlich ohne Worte. Ich denke nur viel in Worten, wenn mir langweilig ist. Wir hatten die kleine Stadt schon lange bevor selbst der schnellste Leser diesen Absatz hier erreichen könnte hinter uns gelassen. Im selbstsicheren Galopp geht so etwas schnell. Noch schneller hatte meine Begleiterin wieder ihr unnatürlich großes Dekolleté entblößt. Das Reiten musste ihr damit eine Last sein, aber sie war äußerst hart im Nehmen. Es ist unglaublich schwer, diese Frau im üblichen Dialog zu charakterisieren. Man sollte mich dabei nicht falsch verstehen: Sie spricht ungefähr zwölf Sprachen. Damit stehe ich mit meinem Latein, meinem Französisch, Hebräisch und natürlich meiner Muttersprache wie ein ungebildeter Trottel da. Das Problem ist nur: Sie spricht äußert selten und wenn, dann eher in kurzen Ausrufen, die Fragen nach allgemeiner Befindlichkeit etc. beantworten sollen. Charakteristisch für sie sind nur ganz seltene Äußerungen, wie beispielsweise:

Ich glaube es geht da lang.“

Da fragen sie lieber meinen Begleiter.“

…ist nur meine Meinung.“

Je ne suis pas sûr.“ (Sie sprach immer in sehr korrektem Französisch. Selten verschlang sie Wörter wie man es hier beispielsweise mit dem „ne“ hätte machen können. Es gab ihr, glaube ich Sicherheit, denn die spärlichen Äußerungen hoben eher ihre Unsicherheit hervor.)

Viel mehr gaben ihre Taten weit mehr Aufschluss über ihren Charakter. Da wäre zum einen ihr eben erwähntes Dekolleté, dass sie zumeist als Schild vor sich hertrug, um ihr Umfeld einzuschüchtern. Es steigerte so ihr eigenes Gefühl von Sicherheit. Bloß in diesem kleinen Städtchen hat die kollektive Prüderie über ihre Oberweite gewonnen. Viele missverstehen nämlich solche Akte (das Entblößen, nicht das Verdecken) als eine Art Selbstvertrauen und Selbstsicherheit, obwohl es gerade Unsicherheiten zu verstecken droht. Sie legt es regelrecht darauf an, die Männerschaft von ihren Augen abzulenken, denn Augen verraten viel!

Ich bin schon beinahe zu lange mit ihr unterwegs. Lange genug, um fast jeden ihrer Blicke zu kennen und analysiert zu haben. Dabei war es nicht sinnvoll ihren Blick zu deuten, wenn sie mich ansah, denn ich gab ihr, der Teufel weiß warum, immer ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, sodass sie alle Ängste vor mir fallen ließ, zu meinem Unglück auch die ein oder andere gesellschaftliche Konvention. Nein, ihren Blick zu deuten, wenn andere es schafften (in diesem Fall Männer) ihren Schild zu durchdringen und ebendiesen Blick einzufangen, das war für mich immer am Aufschlussreichsten. Nämlich gerade weil sie ihn immer abwandte, entdeckte ich ihre unglaubliche Schüchternheit Fremden gegenüber, die viele genital gesteuerten Männer allzu häufig als ein Spiel mit ihren Reizen fehl deuteten. Um vorzubeugen, dass man eher mir diese Fehlinterpretationen unterstellt, muss ich wohl den Moment beschreiben, als ich unumstößlich erkannte, dass es sich wirklich bloß um Schüchternheit handeln konnte.

Es war eine Situation, die bis jetzt nur einmal so stattgefunden hatte, was aber einer eher ungewöhnlichen Begegnung verschuldet war. Ein Mann schien sich wohl unsterblich in sie verliebt zu haben. Es liegt schon Jahre und tausende von Meilen zurück, aber ich empfand ihn als genauso aufdringlich, wie sie es tat. Er beschenkte sie mit allerlei Dingen (Geld hatte er genug als reicher Kaufmannssohn), von denen manche mehr Nutzen aufweisen konnten, als andere und versuchte vergebens, sie darum zu bitten, mit ihm auszugehen.

Es war in einem der beiden Gasthöfe, als er uns beide aufsuchte und vor einer großen Gruppe (denn diese Kneipe war prall gefüllt mit allerlei Männern und Frauen und Fremden) seine Liebe zu ihr kundtat und, wie so wenige es vor ihm fertig brachten, ihr tief in die Augen blickte, um vermutlich auch nur den kleinsten Funken erwiderter Liebe zu finden. Als sie dieses mal ihren Blick abwandte, hatte sie das Unglück, mir in die Augen zusehen und fiel mir ohne Vorwarnung um den Hals, um mir so unmerklich wie möglich zuzuflüstern: Rette mich vor diesem Kerl!

Dabei zitterte ihre Stimme unglaublich stark und sie packte mich mit ihren zittrigen Händen und küsste mich.

Ihr Verehrer war darüber nicht gerade erfreut, aber es erfüllte seinen Zweck. Über diesen Abend sprach sie natürlich nie wieder, aber er war mir der Schlüssel zum Verständnis ihres ganzen Seelenlebens, das sich seit jeher auf Angst und Unsicherheit gründete. Es erklärte mir auch, warum sie mich all die Jahre begleitete. Anscheinend sah sie in mir die einzige Person, welche sie vor dem Rest der Welt schützen konnte. Ich kann auch mit Stolz zugeben, dass ich ihr Seelenleben nie für meine Zwecke ausgenutzt habe.

Ich schätzte ihre Gesellschaft ja auch. Nicht nur wegen ihrer ruhigen und schüchternen Art, nein, sie war ebenso gut im Schießen, wie sie im lesen alter sumerischer Keilschrift war. Eine der maßgeblichen Übersetzungen des Enuma Elisch hätte von ihr stammen können, wenn man einer Frau damals gestattet hätte, Bücher zu veröffentlichen. Es ist meiner Meinung nach immer noch die beste und sprachlich schönste Übersetzung des babylonischen Schöpfungsmythos, die es gibt. Aber die Zeit hat sich schon einige wertvolle Dinge unter den Nagel gerissen.

Während unserer Reittouren lernte ich allerdings ihre Schießkunst weit mehr zu schätzen. Zum einen rettete sie mir ein paar Tage nach dem bedeutungsvollen Ereignis im Gasthof damit das Leben, zum anderen ersparte sie uns mit der Demonstration ihrer Treffsicherheit (sie schoss mit einem Colt aus hundert Meter Entfernung einen Apfel vom Baum) so einige Händeleien. Ich war natürlich auch bewaffnet, das war wohl jeder zu dieser Zeit, in dieser Gegend, aber die Waffe diente eher als Abschreckung, weil ich mir selbst in den Fuß geschossen hätte, wenn ich sie auch nur aus dem Halfter entfernt hätte. Der blonde Jüngling stellte uns natürlich nach. Ein ehrenvoller Mann war er jedenfalls nicht gewesen, da uns während eines langsamen Rittes durch den Wald, besser gesagt mir, nach kurzer Zeit ein paar Kugeln um die Ohren flogen. Jener eifersüchtige Blonde sah mich wohl als Rivalen, wurde aber, als ich vor Schreck vom Pferd gefallen war und er mich mit dem seinen zertrampeln wollte auch von seinem Ross getrennt. Angebrachter wäre es, zu sagen: Vom Pferd geschossen. Der Schütze war natürlich meine Begleiterin. Sie hatte aus dem Ritt heraus ein bewegliches Ziel von einem Pferd geworfen, das mindestens dreißig Meter entfernt war.

Ja, unsere Beziehung war in manchen Punkten sehr paradox. Ich pflege durch mein Wissen über die unbewussten seelischen Vorgänge im Menschen und über die alten Philosophen bis hin zu Spinoza zu überzeugen. Waffen und Technik waren mir fremd. Und doch verhalf ich meiner Begleiterin zu Vertrauen und Stärke, die ihrerseits Schüchternheit und Unsicherheit genau in jenen Momenten überwand, als ich sie am meisten brauchte. Sie wiederum war jedem Mann sowohl im Schießen als auch an Intelligenz überlegen, brachte aber einen, zwar nicht unbehaglichen, doch ungewöhnlichen Mutterinstinkt mir gegenüber auf, der mich mit allen Mitteln vor Übel schützen sollte. Dabei war sie gerade mal halb so alt wie ich.

Als sie mir wieder aufhalf, war das Pferd des Jünglings schon längst fort. Nur mein treuer Schimmel hatte den Mut in sicherem Abstand auf mich zu warten. Der blonde Kerl selbst lag nur ein paar Schritte neben mir und rührte sich nicht mehr. Meine Anmerkung über das tödliche Temperament ihrer Verehrer nahm sie nicht mit wohlwollen auf. Dafür küsste sie mich auf die Wange, wie man einen Vater auf die Wange küsst, als ich wieder auf beiden Beinen stand. Ich war, glaube ich, damals schon zu alt für derlei Abenteuer.

Den Toten würdigte sie keines Blickes, aber sie konnte ihn ja auch zu Lebzeiten nicht sonderlich leiden.

Nun aber ritten wir durch das gesamte Hinterland hindurch, als wir dieses vor Prüderie triefende Dorf hinter uns gelassen hatten.

*

Seit man die Menschen aus dem Paradies vertrieben hat, weil ihre Vernunft sie eines besseren belehrt hatte, sind sie dazu verdammt, ewige Wanderer zu sein. Sei es Abraham, oder König Artus; sei es Faust, der wie kein zweiter nach der Weisheit letzter Schluss suchte, oder gar Molloy. Oh, ich entschuldige mich für diesen Anachronismus.

Als der Mensch der ewigen Wanderung und mitunter Raserei überdrüssig wurde, da suchte er sich Heimat zu bauen. Doch sowohl die Bewohner Babylons wurden bestraft, weil sie die Verehrung des Lebens zugunsten des Erfindertums opferten, als auch viele andere großen Zivilisationen. Vorrangig wohl deswegen, weil sie, um ihre patriarchalische Gesellschaft zu bewahren ein Bündnis mit der Macht eingingen. Aber es gibt nur zwei Dinge die man mit der Macht tun kann: Entweder man hat sie, oder man unterwirft sich ihr. Beides ist aber nie von Dauer.

Da wir dem langsamen Fortschritt, den uns ein Fuß vor den anderen zu setzen, bringt, nichts abgewinnen können, galoppieren wir, reiten wir. Ebenso tun wir dies, man verzeihe mir die ungewöhnliche Metapher, auch im Geiste. Mein Begleiter ist wohl der brillanteste Psychoanalytiker, den ich kenne. Aber er könnte nicht eine Minute ohne mich in der Welt außerhalb seines Genies überleben. Der Spruch des Volksmunds: Er hat zwei linke Hände, trifft voll auf ihn zu. Ich habe jedes mal unheimliche Angst um ihn, wenn er auf seinen Revolver (eine halbzerfallene Smith & Wesson) zeigt, um seine Drohgebärde aufzubauen. So irrational der Glaube ist, aber manchmal denke ich, er müsste nur den zerkratzten Perlmuttgriff mit der Fingerspitzen berühren, um einen unbeabsichtigten Schuss zu lösen. Trotz allem besteht er darauf, die Waffe zu tragen. Die Munition will er leider auch nicht hergeben. Das sind die Momente, in denen ich eher einen griesgrämigen Großvater in ihm sehe, denn einen Begleiter. Aber um ehrlich zu sein: Ich brauche ihn wohl genauso. Es gibt keinen Menschen, dem ich mehr Vertrauen entgegen bringen kann, als ihm. Er beschützt mich auf eine intellektuelle, psychologische Weise, wie es sonst niemand kann. Meinen Körper kann ich selbst verteidigen, genauso wie seinen, denn dazu ist er selten in der Lage. Meinen Körper kann ich genauso gut als Waffe nutzen, denn es ist nichts schwieriges dabei, seine Reize zu seinem Vorteil zu nutzen, solange niemand versucht dahinter zu blicken.

Es ist ja nichts ungewöhnliches dabei: Männer bleiben nun mal immer Kinder, das gilt auch für einen brillanten Mann, wie ihn. Dass ich mich meiner Mutterinstinkte gegenüber ihm nicht erwehren kann, ist nicht selten. Aber ich liebe ihn nicht, zumindest nicht, wie man einen Liebhaber liebt. Eher wie einen Vater, einen alten, stolzen Mann, der niemals zugeben würde, Hilfe zu benötigen, sie aber unbewusst nicht ausschlägt.

Ich schätze, selbst der größte Psychologe durchschaut diese Tatsache noch nicht ganz.

Und da er mir wie ein Vater ist (denn meiner starb, ehe ich es überhaupt bewusst mitbekommen konnte), kann ich ihm mein Innerstes ohne Furcht zeigen. Er nahm seine Rolle vom ersten Tage an. Aus diesem Grunde hat er mich nie verurteilt, ganz gleich, was er in meinen tiefsten Seelengründen vorfand. Das ist etwas, dass niemals jemand vor ihm tat. Noch nicht mal meine Mutter, die immer die Konkurrentin in mir sah, nie die Tochter. Ich war froh diesem Gefängnis entflohen zu sein. Jeder vernünftige Mensch zieht das Umherwandern auf der Suche nach der Wahrheit und der Liebe einem Elternhaus vor, in dem er nicht willkommen ist.

Auf den steinernen, matschigen, schleimigen, hölzernen Wegen, auf denen wir reiten, fand ich mehr Erfüllung, als mir die Kindheit und das Erwachsensein in einer lieblosen Umgebung je hätte bieten können. Ich verdanke das alles dem Professor. Er hat mich gelehrt, dass Glück nur in der Suche nach der Verwirklichung meiner mir innewohnenden Kräfte entsteht.

*

Anmerkungen E.F.:

Vor uns liegen die Protokolle der Hypnosesitzungen, die ein zweiter Therapeut mit dem Patienten abgehalten hat. Sie wurden zusammen getragen und Unwesentliches wurde entfernt. Trotz der fragwürdigen Ergebnisse, die Hypnose zutage fördern kann, sind diese Protokolle eine wirkliche Bereicherung im schwierigen Fall des Patienten geworden. Seine „anachronistischen“ Äußerungen, genauso wie das bewusst werden dieser, geben Anlass zur Vermutung, dass er seine Kräfte noch nicht völlig von der Außenwelt abgezogen hat.

Die Übertragung hat dergestalt stattgefunden, dass der Patient sich in seiner Welt große Anteile des behandelnden Therapeuten (also mir) angeeignet hat, mit der er seine Person in seiner Welt (vermutlich befindet er sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts) charakterisiert. Dabei ist es erstaunlich, wie viel fachrelevantes Wissen er sich aneignen konnte und in der Person des „Professors“, wie er sich bezeichnet, ausdrückt. Auch diese Tatsache stützt die Hypothese, dass er sich noch nicht völlig von seiner Umwelt abgesondert hat.

Ein höchst seltsamer Punkt ist aber seine Begleiterin, die zwar Aufschluss über sein Frauenbild gibt, jedoch lässt sich weder durch die Sitzungen, noch durch diese Protokolle eine Motivation für die Kreation dieses zweiten Charakters finden. Die üblichen Formen der gespaltenen Persönlichkeiten sind auszuschließen, da er nur unter Hypnose aus der Sicht der anscheinend blonden, großbrüstigen und sehr unsicheren Frau spricht. Trotz allem ist sie der einzige Charakter in seiner Welt, der Zweifel ausspricht und unter ihnen leiden kann. Seltsam ist weiterhin auch die Bewunderung, die der „Professor“ ihr entgegenbringt. Er betont zwar die rein platonische Art der Beziehung, kann aber nicht ganz überzeugend über manche libidinösen Tendenzen hinwegtäuschen. Die ausgeglichene Mischung aus Mutter/Tochter bzw. Vater/Beschützer Beziehung deckt darüber hinaus seine inzestuösen Wünsche auf, die, wie wir durch die Sitzung in Erfahrung bringen konnten, zu einem großen Teil durch die Mutter befriedigt wurden.

Abschließend bleibt zu erwähnen, dass wir hier nicht mit einem Einzelfall konfrontiert sind. Im Gegenteil haben wir hier einen beispielhaften Fall für Wahnvorstellungen bedingt durch unsere heutige Gesellschaft. Dem Patienten ist es in seiner Traumwelt verhasst, zu lange in einer Stadt zu verweilen. Er zieht Dörfer und kleine Weiler vor, ist aber mit seiner Begleiterin auf einer andauernden Reise, die wohl kein Ziel hat. Seine umfassenden Literaturkenntnisse haben diese Psychose mit höchster Wahrscheinlichkeit auf diese Art geformt. Es bleibt zu hoffen, dass wir in den folgenden Sitzung weitere „Verankerungen“ in der realen Welt finden, mit denen wir den Patienten wieder zurückführen können.

Apr
15

Baldur kennt seine Grenzen.

Der kleine große Baldur wohnt in einem recht überschaubaren Dorf. Es liegt an der Adria, allerdings an der Adria in einem Paralleluniversum, in dem die Adria mitten durch Harlem fließt.

Und in diesem Paralleluniversum wohnt eine Minderheitengruppe von genetisch mutierten Igeln mit zirkulärer Sprachausgabe.
Ich weiß nicht, was das ist, aber es steht alles im Handbuch, lesen Sie es bitte.

Baldur ist kein mutierter Igel, eigentlich ist er, rein äußerlich, einem Menschen sehr ähnlich, nur ist er anfällig für überstürzte Liebesbekundungen.

Trotz langer Jahre der Forschung konnte kein Genforscher diesen Makel beseitigen.

Eine wichtige Information: Harlem ist ein Kontinent, das Dorf in dem Baldur wohnt heißt Arcadia X.
Die Götter und Fabelwesen haben die Stadt längst schon verlassen, nur noch genmanipulierte Igel und Spastis, die Mülltonnen fressen leben in den  verfallenen Ruinen von Arcadia X.
Wohin die Götter gezogen sind, weiß niemand, man munkelt ihre Forschung sei zu einem Ende gekommen, wir sind nur noch der letzte Rest eines missglückten Experiments.

Baldur ist ein Telemarketer in einer fiktiven Firma. Wohl aber die Angestellten und deren Chef sind echt (ein Hinweis auf den Sinn dieser Geschichte: ), dummerweise sind seit dem letzten Krieg sämtliche Telefonleitungen zerstört worden.

Seine Geschichte beginnt nie, denn er hat keine. Lediglich ein gemeinsames Leid teilte er. Viele Bücher verfasste er darüber, viele Gedichte und viele Weihnachtskränze denen genau dieses Thema zu Grunde lag.
Baldur war einmal verliebt in eine Rollkragenlärche.
Ich möchte Sie noch mal auf das Paralleluniversum hinweisen.
Wir sprechen hier von Lebensformen, die ihrem natürlichen Habitat, nämlich der Küche, entflohen sind (haha, stellt mich an den Pranger, na los!!! haha) und nun die gleiche Bezahlung wie die mutierten Igel bekommen wollen und das bei fünfundzwanzig Prozent weniger Effizienz.
Worte, die auf taube Wände aus Teflon stoßen, es gibt keine Regierungen mehr, die Schweinenazis aus Asylien haben nach dem siebten Weltkrieg die Macht übernommen und da sie mehr Schweine als Nazis sind, besitzen sie auch mehr Intelligenz als diese und wussten schon immer, das Politik böse ist.
Nun, das ist bloß ein Problem der Semantik, irgendjemand nannte sie mal so, aber wo ist da der Bezug, meine Herren und Damen?

Diese Lärche war sehr begehrt, auch von anderen Lärchen, der Teufel wusste wieso, der Teufel gab mir auch mal die Einsicht, man nennt es DAS GEWISSE ETWAS, es existiert also doch.
Leider war die Kaste der Telemarketer in Arcadia X nicht sonderlich hoch angesehen. Selbst die Götter lachten im Sog der Vergessenheit über sie.
Die Telemarketer allerdings waren kreative Geschöpfe. Sie erschufen Dinge, die man nicht essen musste, um sich davon zu ernähren, Dinge die nie verdarben, Dinge, die sich nie verbrauchten, die Energie aus sich selbst erzeugten und nie versiegten.
In unserem Universum (in ihrem, liebe Leser) sind Telemarketer nutzlos, in Baldurs Universum sind sie der göttliche Funke, das Daimonion, nur leider unverstanden von allen anderen sterblichen.
Sie sehen keine Filter, sie sehen die Einfachheit der Welt, aber sind nicht in der Lage, sie den anderen genmutierten Igeln, Lärchen und Feuchtfarmern (ja in dieser Welt gibt es sie wirklich! Sie arbeiten als Sklaven auf dem Planeten Bantooine, sofern sie nicht im Widerstand kämpfen) verständlich zu machen.

Die Rollkragenlärche war eine dieser Sterblichen. Telemarketer sind ihr ganzes Leben auf der Suche nach einem göttlichen Funken in gewöhnlichen Sterblichen (Alle Telemarketer haben Pimmel und keiner von denen ist Homosexuell oder so, also müssen die halt Muschis suchen), doch nicht jeder besitzt das Daimonion und wenn sie es besitzen, dann kann es immer noch am Fluch der Kreaturen von Alpha Bronx (der Name des Planeten in diesem ominösen Paralleluniversum, hachja, die gute alte „viele-Welten-Theorie“!)(Geil, vier Interpunktionszeichen hintereinander, Respekt!)) scheitern. Sie sehen die Welt durch viele Schleier, ihr eigener Wille ist unbändig, dafür haben die Götter gesorgt.

Baldurs Geschiche endet hier, wo sie nie begonnen hatte. Das Spiel mit der Liebe in Arcadia X, ist wie der alljährliche Harpunentanz in Fleischfelsen: Ballerst du deine Harpune in den Felsen, kriegst du sie da nicht mehr raus. Dem Felsen ist das Scheissegal. Du freust dich über seine Nähe, aber es ist nur ein Felsen. Die Höhlen darfst du nie erkunden, dafür musst du dein gutes Karma im Fleischsaal abgeben und das können notorische Träumer nicht.

Baldur steckt fest. Der Felsen lässt manchmal einen kleinen Hähnchenschenkel springen, aber das saftige Steak bekommen nur die Wölfe. Der Felsen ist nicht leblos, das zeigt er auch, aber er zeigt dir nicht den Eingang in seine Höhle.
Meine Damen und Herren, ich wüßte nicht, wie ich ihnen dieses teilweise perverse (aber auch hochintelektuelle, denn alles hat zwei Seiten: Es gibt den Zugang zur Seele und den Zugang zum Geschlechtsorgan, sie wissen was ich meine) Gleichnis noch deutlicher machen sollte.

DER KAHLE NACKTE STEIN (du wünschtest bloß, er wäre nackt) IST EINE LÄRCHE.

Baldur hofft, irgendwann auf die Suche nach einem weiteren göttlichen Funken gehen zu dürfen, dafür hat er sich bei „Telemarketer sucht Lärche“ (ca veux dire: armata) angemeldet, die können auch Harpunenketten aufschweißen (hab ich mal gehört).

OFFENES ENDE

Jun
08

Freiwillig – Unfreiwillig.

Was ich in den letzten Monaten gelernt habe?
Irgendwas mit Tat-Beobachtung, etwas, dass Kafka mal gesagt hat. Ich kann seinen Müll immer noch nicht lesen. In der Tat habe ich schon lange nichts mehr beobachtet. So lange, dass ich das Gefühl habe, sämtliche Werkzeuge sozialer Interaktion sind mir abhanden gekommen.

„‚Homo quo mimese discit‘, dixit Aristoteles, osor feminarum.“

-Schwanzus Longus

Lustige Geschichte:
Leider ist sie mir abhanden gekommen, beim Erfinden eines lateinischen Satzes. Es hatte irgendetwas damit zu tun, dass virtuelle Lebensformen in mir mehr Gefühlsregungen entstehen lassen, als die Welt da draußen. Vielleicht liegt es auch daran, dass eine Geschichte erzählt wird, die in meinem Leben nie geschehen wird. Vielleicht ist es Wunschträumen (Intellexi, dass Hoffen nicht das ist, wofür viele es halten. Gehofft habe ich schon lange nicht mehr, dafür hätte ich meine Wohnung verlassen müssen).

…Es liegt daran, dass überhaupt eine Geschichte erzählt wird. In meiner Geschichte wäre nun schon seit längerer Zeit eine Raffung, oder Ellipse vonnöten.
Es liegt daran, dass eine interessante Geschichte erzählt wird, eine, die ein Ziel hat – vielleicht mehrere – und es wird etwas vermittelt, dass Zuversicht gibt. Einsicht habe ich momentan genug.

Ich habe gelernt, was eine Tautologie ist und es gleich wieder vergessen. Das hab ich ihm dann auch verbal gesagt.

Jul
29

Ich habe kurz überlegt, ob ich psychologische Profile der Frauen, die ich auf Singlebörsen sehe, erstellen sollte. Es taten sich zu große Abgründe auf.

„Ich mag keine schlechte Laune und gebe mich nicht lange mit schlechten Dingen ab.“

Das ist doch die Definition von Oberflächlichkeit, von Menschen, die Angst haben, die vermutlich traumatische Dinge erlebt haben, weswegen sie sie meiden, wie der Teufel das Kartoffelgitter. Es sind Menschen, die Angst haben vor Langeweile, so sehr, dass sie keine Minute mit sich allein sein können, dass allein schon der Gedanke daran sie panisch werden lässt!

„Ich bin kompliziert, ich mag meine Ecken und Kanten, du musst dich mit mir anfreunden, weil ich kompliziert bin, sag nicht du bist perfekt, denn dann bist du es nicht, sowie ich es nicht bin, die ich Ecken und Kanten habe, die Welt ist nicht perfekt, ich will nicht perfekt sein, ich liebe meine Ecken und Kanten, du bist vor ein Rätsel gestellt, du musst mich ergründen, du musst, du musst, du musst, ich bin nicht perfekt.“

Danke für die Warnung.  Und wenn ich mir so dein Profilbild ansehe, dann erkenne ich es auch:  Du kannst woanders deine Hipsterscheisse abziehen. Eine nervige Bitch zu sein, ist leider nicht wirklich attraktiv, schon gar nicht, wenn du so ’ne dämliche Duckfacefresse ziehst!

Ich habe kurz überlegt, ob ich ein psychologisches Profil von mir erstellen sollte. Dann habe ich darüber nachgedacht, was denn ein Profil sei:

Profil (frz. profil ‚Seitenansicht‘, zu ‚Schattenriss‘ aus lat. filum ‚Faden‘)“¹

Und das half mir nicht weiter, denn es ergibt keinen Sinn, oder etwa doch? Ein psychologischer Schattenriss? Ein Bewusstsein etwa, das in den Schatten entsteht, oder so ähnlich?
Es gibt viele Schatten in mir und das sind leider keine Halbschatten. Ach, was sag ich, das sind schwarze Löcher und sie absorbieren somit alles Licht, was dazu führt, dass ich, verdammt noch mal, nichts sehen kann!

„Der Widerstand der Kranken ist sehr mannigfaltig, höchst raffiniert, oft schwer zu erkennen, wechselt proteusartig die Form seiner Erscheinung.“²

Und wenn sie alle gemeinschaftlich ihr Gesicht verziehen, wenn sie alle krank sind und sich gegenseitig anstecken, dann fühlen sie sich behaglich und wohl. Sie sind der große Teil, die Pathologie der Normalität.³
Damit sind mir die Fußnoten auch ausgegangen. Aber so ist es vermutlich. Die Kranken, das sind oftmals auch die Gesunden, denke ich, aber was weiß ich. Alle sagen mir, ich sei krank.

So kam ich also auf einen ganz anderen Weg und ich habe darüber nachgedacht, warum ich mir ein Urteil über die blöden Bitches mache, die sich auf Singlebörsen herumtreiben. Denn schließlich ist meine Verzweiflung so groß, dass ich es auch tue, weil jeder es irgendwie tut, weil alle es tun. Und alle haben sie Sex und alle halten sie Händchen. Manche meinen, sie mögen keinen Sex, aber sie lügen, weil sie dämliche Sitzpinkler sind. Alle haben sie Sex und alle wollen sie Sex. Ich muss mir einen Charakter konstruieren, um an dieser Orgie teilhaben zu können. Leider bin ich schlechtes Schauspielermaterial. Eine Objektbeziehung herzustellen ist gar nicht so einfach, wenn die Anschlüsse irgendwie nicht kompatibel sind. Wenn alle Sex wollen, will ich auch Sex. Manchmal denke ich, ich bin der gebündelte Wille aller Menschen auf der Welt und plage mich zusätzlich mit der unerfüllten Sehnsucht dieser seltsamen Asexuellen, so sehr will ich an dem großen Treiben teilhaben; ich, als heteronormativer Cis-Mann, was auch immer, laut Genderforschern, das heißen mag. Vielleicht sind sie mir gar nicht so unähnlich… Doch, sie sind es schon, denn sie wollen die Ambivalenz und Differenziertheit einer, oder mehrerer Sachen opfern und ich durchschaue ehrlich gesagt noch nicht mal, wofür. Wenn keine Unterschiede mehr existieren, also wenn es nur noch das Gute gibt, woher zum Teufel wissen wir dann, was das Gute ist? Müssen wir es nicht an etwas messen können? Ich sage, was andere schon gesagt haben, aber es lebe der Unterschied!

Das war ungewohnt euphorisch von mir, fast schon gutmenschlich. Im Nachhinein ekelt es mich an, was aus mir geworden ist: der heteronormative Sexbesessene, oder so ähnlich. Und das Internet ist noch nicht mal ein halb so guter Ersatz wie ein Replikator auf dem Raumschiff Enterprise. Wir denken nicht humanistisch, sondern sagen es nur. Wir denken autoritär-humanistisch und nicht humanistisch-humanistisch. Wenn wir akzeptieren, dass wir einfach sind und es uns endlich mal egal ist, warum, dann hat auch Sex immer noch seinen Platz in der Welt. Wenn sie nur nicht immer so viel im Internet ficken würden. Und auf der anderen Seite haben sogar schon die Nerds meiner Generation echte Freundinnen. Da klingt schon wieder meine heteronormative Männlichkeit durch, aber das stört mich nicht. Es stört nur die, die in einer anderen Welt besser aufgehoben wären. Egal wo, nur Hauptsache nicht hier. Es lebe der Unterschied! Es lebe, es lebe. Das soll es: leben. Wenn wir Humanisten werden, dann soll es in erster Linie genau das: leben. Und wir können solcherlei Dinge erschaffen. Sodass sie dann auch kein Ding mehr sind, sondern lebendig. Dazu brauchen wir noch nicht mal tote Ideen, weil in uns das Leben ja schon ist und immer sein will. Es bedarf verdammt viel, um sich den Suizid zu trauen. Ich bekomme es auch nicht hin. Also ist es ja grundsätzlich in uns, das Lebenwollen. Und Sex macht Spaß. Wenn nur nicht so viele immer Sex haben wollten, vielleicht bliebe da etwas für mich übrig.

Ich habe es dann sein lassen einen psychologischen Schattenriss von mir zu erstellen. Das können nur andere, die physikalischer Unmöglichkeit trotzen und etwas Licht aus dem schwarzen Loch schmuggeln. Ich schaue mich einfach weiter in irgendwelchen Singlebörsen um. Ich denke nicht, dass sich drahtlos überträgt, was auch immer ich habe.

________________________________________________

1 http://de.wikipedia.org/wiki/Profil (29.7.2013)
2 Freud, Sigmund: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse, Wien 1916-1917 (Zweiter Teil, 19. Vorlesung)
3 Fromm, Erich: Die Pathologie der Normalität, hrsg. von Rainer Funk, 2005

Jul
05

Der Effekt ist mit anderen Drogen vergleichbar. Das funktioniert auch in der Kombination von Alkohol und Antidepressiva, oder Klebstoff und selbst gedrehten Zigarren bestehend aus dem Inhalt einer BASF Mülltonne. 

G*d (<- Schwachsinn): Und von allen Fragen bietest du mir die alltäglichste, die banalste an?
Der Erhabene: Sie kann nicht so banal sein, wenn sogar Existenzen an den Folgen verenden.
Gott: Wenn ich dir die Antwort gebe, kannst du deine Sachen packen.
Der Wissende: Auf so eine enttäuschende Reaktion war ich vorbereitet. Es überrascht mich nicht.
Ein metaphysisches Ungeheuer: Ich kann dir die Geheimnisse nicht erklären, weil ich sie selbst nicht verstehe. Weil ihr nicht verstehen könnt, dass nicht alles seinen Ursprung zu finden braucht.
Endlich Ich: Gelaber!
Die fliegende, ambivalente, unberechenbare Abscheulichkeit: Was kann ich dir antun? Nichts, eigentlich.

Das Gespräch ist beendet. Ich habe nichts zu dem Thema beizutragen. Wollte aber diesen griffigen und eingängigen Titel nicht in einer einsamen Gasse verenden lassen, wo meist auch das endet, was man eine Beziehung zu einem Menschen nennen mag.

Solange das, was man eben als Beziehung zu einem (bestimmten) Menschen kennt, nicht systematisiert ist, herrscht hier Ebbe.

Ja, lasst es euch gesagt sein: Glaubt nicht immer dieses abscheulich romantische Gefasel, dass der Künstler nun mal leiden müsse, um kreativ zu sein. Bevor Eiffel den Turm aufgerichtet hat, da hat er erst mal seinen persönlichen Turm aufgerichtet und ihn im nächsten weiblichen Schoß versenkt. Seid euch dessen Gewiss, Schüler!

Jun
06

Ich mag es lieber, wenn sich das Internet nicht bewegt. Alles Weitere ist zu anstrengend.

Jun
04

Wie weit muss ich es entrücken,
bis ich es nicht mehr
erfassen kann?
Oder kann ich etwas
davor schieben?
Es begraben,
übermalen?

Und bei all dem
vergessen
was es ist.

Und sich wünschen
sagen zu können:
was es war.

Es systematisieren,
um es zu töten.

Es skandalisieren,
um es bald
auf ewig zu vergessen.

Es gehorcht mathematischer
Halbwertszeit.

Zu dumm.

Jun
02

Ohne das bunte, verrottete Fleisch wäre Neue Musik viel genießbarer, aber es ist festgekocht und zieht sich in Streifen, wie gebackener, schwarzbraungrüner Käse ab. Warum fällt die Haut dort nicht einfach herunter? Denken Sie mal darüber nach!

Es ist Unrecht den Großen gegenüber, aber wenn das Fleisch von diesem, nennen wir es „Aphorismus“ fällt, dann sucht man die Großen vergeblich.

Jun
01

Wie es sich lebt, als interessant zu gelten, weil sich psychische Labilität mit einem Funken Talent verbunden hat?

Ich kann klagen.

Mai
03

Man neigt zum Vergessen. Schließlich sucht man eine ganze Weile nach einer identischen Muschi, um sich danach zu fragen: Was zur Hölle, Alter? Du suchst im Pornogewerbe nach etwas, dass nicht mal halb so oft penetriert wurde und erwartest, es entspräche deinen Erinnerungen?

Das ist das Thema unserer Sendung heute. Weil Leute sich immer fragen: Was hätte denn noch alles sein können..?

Hach, was hätte denn noch alles sein können? Und je mehr du auf der Schwelle des Exodus erfährst, was das für schmutzige Dinge sind, umso mehr bereust du, es kann aber auch sein, dass du dich ärgerst, oder verbitterst. Du hättest es nie erfahren sollen. Stattdessen kämpfst du gegen tausend Drachen und weißt eigentlich nicht mehr, wessen Atem noch tödlich ist. Und ich weiß eigentlich gar nicht mehr, wie Mensch sein, oder so etwas in der Art, geht. Spiele ich verrückt, oder war das auch vor dieser langen Trance schon immer so? Das ist gequältes Warten, vor allem wenn du die süßen Verheißungen

*

Ich liebe diese Sternchen. Es gibt nur einen Lehrsatz; oder nenn es Leersatz, wenn du in der Kunst des Auf-der-Welt-seins nicht bewandert bist: Wenn du dabei bist, etwas zu verlieren, dann versuche unter keinen Umständen herauszufinden, was so alles in dem Paket an Schmankerln dabei war. Hach, Schmankerln! Da war vieles dabei und ich habe so vieles vorschnell ausgepackt und stehe jetzt natürlich da, wie die Axt in der schwerelosen Raumzeit. Ich hätte nie die Büchse der Pandora öffnen sollen, das war zu verheißungsvoll und es ist zu unsicher, ob irgendetwas je davon wiederkehrt, es geht zum Ende, was soll ich sagen?

Es gibt dann Zeiten, nach denen man dachte: Gerade habe ich meine Rhethorik, meinen Inhalt wieder gefunden, da stelle ich fest: Ich habe doch nichts zu sagen, ich hatte vielleicht nur Dir etwas zu sagen und jetzt wo Du weg bist, habe ich nichts mehr zu sagen.